Klares Wasser - reines Öl

Nur ca. 3 % des globalen Wasservorkommens ist Süßwasser. Dem gegenüber stehen 97 % Salzwasser aus den Ozeanen. Schon jetzt zeigt sich in ariden Regionen die Bedeutung der Ressource Wasser nicht nur als Trinkwasser, sondern auch in der Landwirtschaft oder in Industrieprozessen. Doch auch in Industriestaaten wird vielerorts bereits versucht, unnötigen Wassereinsatz zu reduzieren und vorhandenes Abwasser aufzubereiten. Das ZET baut derzeit einen Forschungsschwerpunkt zu kombinierten Energie- und Wassersystemen auf. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Kopplung dezentraler Systeme auf Basis von thermodynamischen Kreisprozessen. Hierunter fallen zum Beispiel Prozesse, welche direkt über Wärme angetrieben werden. Die direkte Wärmenutzung hat den Vorteil, dass dabei selbst Wärme auf einem geringen Temperaturniveau, wie zum Beispiel aus Industrieprozessen, aus Solarkraftwerken oder auch aus geothermischen Energiequellen, eingesetzt werden kann. Diese sogenannte „Niedertemperaturwärme“ kann derzeit vielfach nicht sinnvoll genutzt werden und geht daher meist als Abwärme an die Umgebung verloren. Einen weiteren, alternativen Weg gehen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des ZET in einem Projekt mit einem mittelständischen Unternehmen aus der Region, der Karl Hopf GmbH. Basierend auf einem Patent der Firma, wird dabei mittels energieeffizienter Wärmepumpen Umgebungswärme auf ein Temperaturniveau von ca. 60 °C gehoben und damit eine Aufbereitungsanlage für Bilgenwasser betrieben. Bilgenwasser fällt in Schiffen auf hoher See als Abfallstoff an und ist eine Mischung aus Salzwasser, Maschinenöl und Feststoffen. Das Ziel der Forschungsarbeiten am ZET ist es, das wertvolle Öl aus dem Bilgenwasser abzutrennen und als Basisrohstoff für Recyclingöl zurückzugewinnen. Hierzu ist am ZET eine Technikumsanlage entstanden, in der experimentell nachgewiesen werden soll, in wie weit die Konzentration der Ölphase erhöht werden kann und wie sich eine Wirtschaftlichkeit für solche Anlagen darstellen lässt. Die Technologie, die hinter der Anlage steckt, nennt sich Be- und Entfeuchtungsprozess. Dabei wird heiße Luft durch direkten Kontakt mit dem Bilgenwasser gesättigt und die feuchte Luft anschließend an einer kalten Oberfläche abgekühlt, wobei sich das Wasser verflüssigt und somit abgetrennt werden kann – ähnlich dem natürlichen Wasserkreislauf aus Verdunstung über den Ozeanen, Wolkenbildung und anschließendem Regen. Es laufen zudem Bestrebungen, das Konzept der Anlage so anzupassen, dass es zukünftig auch möglich sein wird, Meerwasserentsalzung und Aufbereitungsanlagen für industrielle Abwässer auf Basis dieser Technologie zu betreiben. Das ZET liefert damit einen Beitrag zu ressourceneffizienten Wasser- und Energiesystemen.