Digitale Ausstellung

3x3 der Sportgeschichte - Historische Sporttechnologien aus Coburger Sammlungen

 

Teil 2: Drei Lauf- und Fahrgeräte

Roll- und Schlittschuhe verlängern die Schuhe durch Rollen oder Kufen und verschaffen ihren Nutzern dadurch zusätzliche Funktionen: sie erlauben das schnelle Laufen auf glatten bzw. gefrorenen Flächen. In diesem Sinne handelt es sich um Prothesen. Während Kufen, die an Schuhe angeschnallt wurden, schon im Mittelalter bekannt waren, stammen die ersten Rollschuhe aus dem 18. Jahrhundert. Als Freizeitbeschäftigung haben die einen

im Sommer, die anderen im Winter eine lange Tradition. Das Material musste möglichst stabil und einfach verwendbar sein. Bis heute sind viele unterschiedlichen Prothesen zur nichtmotorisierten Fortbewegung entwickelt worden. Bei modernen Inlineskatern befinden sich die Rollen in einer Reihe hintereinander. Skateboards bestehen aus einem Brett mit zwei Achsen und vier Rollen. Schlitten finden unter anderem in neuen Disziplinen des Behindertensports Anwendung.

 

2-1 Puppen-Rollschuhe (1. Häfte des 20. Jahrhunderts)

Bild: Puppenmuseum

Objekt: Material: Metall/ Leder, Maße: 4cm x 8 cm x 4,5 cm. Sammlung Coburger Puppenmuseum, ohne Inv.nr.

Bei den Puppenrollschuhen handelt es sich um eine exakte Nachbildung von Kinderrollschuhen in Miniatur. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts konnte man sich die metallenen Rollschuhe mit Hilfe der Lederriemen einfach unter die normalen Schuhe schnallen – und los ging die Fahrt in den Hinterhöfen und auf den nur schwach von Autos befahrenen Gassen.

 

Christine Spiller

 

2-2 Schlittschuhe (1. Hälfte des 20. Jahrhunderts)

Bild: Gerätemuseum

Objekt: Einzelne Schlittschuhkufe zum Anbringen an einen Schuh. Länge: 35 cm. Metallkufe, leicht gebogen, vorne stark nach oben und innen gebogen. Darauf auf Höhe des Fussballens und der Ferse ein Aufsatz angenietet, der an den Schuh geklemmt (?) werden konnte. Gerätemuseum des Coburger Landes - Ahorn, Inv.nr. 1985/00422

Die Schlittschuhkufe stammt aus dem Besitz von Ambros Raab, der bis 1977 in der Schmiede in Neundorf arbeitete. Er hat die Werkzeuge zum größten Teil von seinem Vater übernommen.

 

Gerätemuseum Ahorn

 

2-3 „Polarwolf“: Schlitten für Sledge-Hockey (2011)

Bild: Julian Rathmann

Objekt: Designmodell „Polarwolf“ von Julian Rathmann. Prototyp eines Schlittens für Sledge-Hockey. Maße: ca. 125x50x45 cm, Materialien des Modells: Rahmen: Ureol (CNCgefräst), Sitzschale: GFK (formlaminiert) plus Polsterung, Schutzbügel/Kufenträger: RapidPrototyping (FDM / SLS). Materialien des Konzepts: Rahmen: Aluminiumrohre (heißgeformt, pulverbeschichtet) plus Kunststoffverbinder, Schutzbügel/Kufenträger: Aluminium, Sitzschale: GFK / Kunststoff, Polsterung: u.a. schlagabsorbierende SchaumElemente (D30) & Abstandsgewirke. 2011 als Diplomarbeit im Studiengang Integriertes Produktdesign an der Hochschule Coburg entstanden (Betreuung: Prof. Gerhard Kampe).

Der Designer Julian Rathmann hat sich im Rahmen seiner Diplomarbeit mit dem Thema Sledge-Hockey beschäftigt. Sledge-Hockey ist Eishockey für Sportler mit Handicaps und der populärste sowie physisch härteste Wintersport im Handicap-Bereich. Im Gegensatz zum Eishockey bewegen sich die Spieler nicht auf Schlittschuhen, sondern auf Schlitten.

Ziel der Arbeit des Produktdesigners war es, ein Sportgerät zu entwickeln, das funktional, ergonomisch und formal-ästhetisch gestaltet ist. Heraus kam ein hochfunktionales Sportgerät, das sich aufgrund seines modularen Aufbaus für sehr viele Spielertypen eignet und im Schadensfall schnell und unkompliziert vor Ort repariert werden kann. Die Geometrien des Rahmens und der verwendeten Rohre, die im innovativen Heatform®-Verfahren hergestellt werden, sind so gewählt, dass sie die auftretenden Belastungen bestmöglich aufnehmen. Die Rohre werden in einer Länge gefertigt und bei Bedarf einfach abgesägt, um einen kürzeren Schlitten zu erhalten.

Neben der Schlittenlänge lassen sich auch die Positionen von Sitz und Kufenträger am Rahmen und zueinander individuell einstellen. Auch der Kufenabstand und die Kufenanzahl sind flexibel. Alle Verbindungen sind bewusst niederkomplex gehalten, um eine einfache Montage und bei Bedarf die Verwendung von individuell gefertigten Komponenten zu ermöglichen. Auf der „position card“ können die Sportler ihrer individuellen Einstellungen des Sportgeräts eintragen und haben so immer ihr persönliches SetUp zur Hand. Die Wandhalterung, die als home- und als team-Variante erhältlich ist, verbessert und erleichtert die schonende Lagerung des Schlittens. Durch den gezielten Einsatz von innovativen Materialien und Herstellungsverfahren wurden sportart-spezifische Probleme gelöst. Eine wirtschaftliche Fertigung in Kleinserie ist realistisch.

 

Margareta Bögelein