Digitale Ausstellung

3x3 der Sportgeschichte - Historische Sporttechnologien aus Coburger Sammlungen

 

Teil 1: Drei Rennen

Wer ist der Schnellste? Bei Geschwindkeitswettbewerben spielt die richtige Technik eine entscheidende Rolle. Dabei konkurrieren bekannte Automarken genauso um hoch dotierte Titel wie prominente Rennfahrer. Das erste Autorennen fand 1894 in Frankreich statt.

Seitdem hat der Motorsport viele moderne Heldengeschichten geschrieben und ist bis heute eine Männerdomäne geblieben.

Neben dem besonders teuren und exklusiven Profibereich sind Autorennen auch bei vielen anderen Gelegenheiten eine beliebte Freizeitbeschäftigung geworden.

In der Coburger Mohrenstraße fanden in den 1990er Jahren Seifenkistenrennen statt, über die sogar der Bayerische Rundfunk berichtete.

Nebenbei, die ersten Fahrradrennen gab es schon ab ca. 1865, ebenfalls zunächst in Frankreich und beim Radsport waren die Frauen von Anfang an dabei.

 

1-1 Rennwagen aus dem Märklin-Baukasten (1930er Jahre)

Bild: Puppenmuseum.

Objekt: Baukasten Nr. 1107 R, 1930er Jahre, Firma Märklin, Göppingen. Material: Metall, Länge: 36 cm. Dauerleihgabe aus Privatbesitz an das Coburger Puppenmuseum.

Dieser Rennwagen von Märklin wurde dem realen Modell „Mercedes Benz SSK“ im Maßstab 1:16 nachempfunden. Der Wagen wurde von 1928 bis 1932 produziert, wobei die Abkürzung „SSK“ für „Supersport Kurz“ stand. Bei diesem Rennwagen stand die Aerodynamik besonders im Vordergrund. Den Entwurf fertigte der italienische Rennfahrer Carlo Felice Trossi an. Er wurde von einem englischen Karosseriebauer umgesetzt.

Das Modellauto bot die Firma Märklin als Bausatz an, den der Besitzer selbst zusammenschrauben musste. Der Wagen verfügt über einen Uhrwerkmotor, der mit einem Schlüssel aufgezogen werden kann. Im Coburger Puppenmuseum erzählt der Rennwagen die Geschichte eines Flüchtlingsjungen, der das kostbare Spielzeug am neuen, sicheren Wohnort von der Nachbarin geschenkt bekam. Der Rennwagen war zuvor im Besitz ihres Bruders, der als Jugendlicher im Zweiten Weltkrieg gefallen war.

 

Christine Spiller

 

1-2 Pechvogel-Pokal im Coburger Seifenkistenrennen (1996)

Bild: Städtische Sammlungen

Objekt: Deckelpokal „Grandprix 1996 – Pechvogel-Pokal“, gestiftet von Stadträtin Irmgard Schwanert, 1996. Material: Zinnblech, Maße: 30cm x 7,5 cm x 3cm. Exponat aus den Städtischen Sammlungen, Inv.nr. SSC 12320.

In den 1990er Jahren wurden vom Verkehrsverein Coburg und vom Stadtjugendring mehrere Seifenkistenrennen in der Mohrenstraße veranstaltet. Der Start stand am Gräfsblock vor dem Gerberbrunnen, das Ziel befand sich unten an der Kreuzung.

Die jugendlichen Teilnehmer bauten mit ihren Eltern und Großeltern eigene Seifenkisten. Bei den Rädern waren jedoch nur professionelle Räder zugelassen, die vor dem Rennen zugelost wurden. Für die Zeitmessung stellte die Verkehrspolizei professionelle Messgeräte zur Verfügung. Ebenso gab es Vorgaben beim Gewicht der Seifenkisten und der Insassen. Gestartet wurde in verschiedenen Klassen sowie einer „Juxklasse“.

Was beim ersten Rennen als Coburger Event für Kinder und Jugendliche begonnen hatte, professionalisierte sich von Jahr zu Jahr mehr: An der Technik und Schnelligkeit der Seifenkisten wurde gefeilt, die Regeln konkretisierten sich. Sogar oberfränkische und bayerische Meisterschaften wurden in Coburg ausgetragen. Im Digitalen Stadtgedächtnis der Stadt Coburg erinnert sich ein Teilnehmer an die Veranstaltung: Blog

Pokale gibt es häufig im Sport: sie zeichnen nicht nur die Besten in unterschiedlichen Kategorien aus, sondern waren ursprünglich Trinkgefäße – und sind es gelegentlich bis heute. Inzwischen schmücken Tausende solcher Trophäen die Erinnerungsvitrinen und sind Gegenstand eines florierenden Handels für Vereinsbedarf, inklusive individueller Gravur.

 

Christine Spiller / Christian Holtorf

 

1-3 Barbie als Rennfahrerin (2009)

Bild: Puppenmuseum

Objekt: Originalkarton, 50th anniversary collection, Matell, 2009. Material: Kunststoff, Höhe der Puppe 29 cm. Leihgabe aus Privatbesitz an das Coburger Puppenmuseum.

Unter dem Motto „Du kannst alles sein“ lässt die Firma Mattel die Barbiepuppe in verschiedene Rollen aus allen Lebensbereichen schlüpfen. Sport nimmt dabei eine große Bandbreite ein: Barbie ist Ballerina, Reiterin, Rettungsschwimmerin (Baywatch, 1990er Jahre), Tennisspielerin, Olympiasiegerin (Atlanta 1996), Fussballerin (zur Frauen-WM in Deutschland 2011), Fussball-Trainerin und vieles mehr – sogar Rennfahrerin. Letzteres ist mehr als ungewöhnlich, fährt doch kaum eine Frau Rennen in der Formel 1.

Die Geschichte der Barbie spiegelt die Geschichte der Emanzipation – trotz ihrer umstrittenen Körpermaße. Daher findet sie sich in vielen, ehemals männlich konnotierten Rollen wieder: Sie ist Astronautin, Pilotin und hat sogar für das amerikanische Präsidentenamt kandidiert, lange bevor dies eine Frau tatsächlich getan hat. Nach der Konzeption von Mattel verkörpert Barbie ein Vorbild für die Mädchen, das tun kann, wovon sie träumen. Die Rennfahrerin gehört daher zur Serie „Ich wäre gern…“.

 

Christine Spiller