Graduiertenkolleg Energieautarke Gebäude

Die konventionelle Versorgung von Wohnhäusern ist noch immer abhängig von fossilen Energieträgern. Der Strom wird dabei aus dem Netz bezogen und ist zu einem überwiegenden Teil in Gas-, Kohle- und Atomkraftwerken erzeugt. Die Wärmeversorgung basiert meist auf gebäudeinternen Gas-, Öl- oder Holzbrennern. Wie sich Gebäude und Kommunen der Zukunft mehr und mehr von dieser traditionellen Versorgungsstruktur lösen können, erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TechnologieAllianzOberfranken im Rahmen des Graduiertenkollegs „Energieautarke Gebäude“.

Die Themengebiete „Energieeffiziente Gebäude“ und „Umwandlung, Verteilung und Speicherung regenerativer Energien“ sind in TAO schon seit vielen Jahren fest in den Forschungs- und Entwicklungsarbeiten einiger Professuren verankert. Beide Themengebiete weisen eine hohe „Verwandtschaft“ auf und waren 2015 die thematische Grundlage für die Einrichtung des Graduiertenkollegs „Energieautarke Gebäude“, welches von TAO durch umfangreiche Personal- und Sachmittel finanziert wird.

Im Mittelpunkt steht die ganzheitliche Gestaltung von im Idealfall energieautarken Gebäuden im ländlichen Raum am Beispiel der Region Oberfranken insbesondere durch regenerative (dezentrale) Energie. Die beiden Leitgedanken sind dabei die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Ingenieurinnen und Ingenieuren und Informatikerinnen und Informatikern (auch) mit Geisteswissenschaftlerinnen und Geisteswissenschaftlern sowie das Zusammenbringen der sich ergänzenden wissenschaftlichen Expertisen der Universitäten Bayreuth und Bamberg und der anwendungsbezogenen Forschung und Entwicklung der Hochschulen Coburg und Hof.

Die bereits gute Kooperation der an TAO beteiligten Universitäten und Hochschulen in der Forschung wird damit strategisch ausgebaut. Derzeit erhalten 11 aus TAO finanzierte und 7 weitere assoziierte Doktorandinnen und Doktoranden einen attraktiven Rahmen, der es ermöglicht, gemeinsam an einem aktuellen TAO-Forschungsthema zu arbeiten. Prof. Dr.-Ing. Andreas Jess und Dr.-Ing. Florian Heberle vom Zentrum für Energietechnik (ZET) der Universität Bayreuth fungieren als Sprecher und Koordinator des Graduiertenkollegs.


Laufende Promotionen (TAO-finanzierte Projekte)

Promovendin

Sabrina Tietze

Betreuer

Prof. Dr.-Ing. Gerhard Fischerauer, Universität Bayreuth

Prof. Dr. Gerhard Lindner, Hochschule Coburg

 

Problemstellung

Bei energieautarken Gebäuden sind Methoden der Energiespeicherung von besonderer Bedeutung. Bei elektrochemischen Speichern wird die Kinetik der elektrochemischen Prozesse allerdings u.a. durch den Aufbau einer elektrochemischen Grenzschicht an den Elektroden bestimmt. Diese Schicht hemmt den Transfer der Elektronen und somit die Ladung des Akkumulators.

Zielsetzung

Durch Beeinflussung der elektrochemischen Grenzschicht mit Hilfe akustischer Wellen soll der Elektronentransfer verbessert und somit elektrochemische Prozesse beschleunigt werden. In der Elektromobilität hätte dies z.B. den Vorteil, die Ladezeit eines Akkumulators zu verkürzen. Beim Elektropolieren kann die Zeit des Elektropoliervorgangs verkürzt werden, was wiederum industriell von Vorteil ist.

 

 

 

Promovend

Mario Mösch

Betreuer

Prof. Dr.-Ing. Gerhard Fischerauer, Universität Bayreuth

 

Problemstellung

Die Welt wird immer vernetzter. Künftig werden immer mehr Sensoren ihre Umgebung überwachen und ihre Informationen per Funk an andere Geräte senden. Um den wenig umweltfreundlichen Einsatz von Batterien zu vermeiden, beziehen Funksensorknoten der Zukunft ihre Energie über Energy-Harvesting aus ihrer Umgebung. Beim kinetischen Energy-Harvesting etwa soll die in häuslichen Mikrovibrationen (zufallende Tür, vorbeilaufende Menschen) enthaltene Energie genutzt werden. Der Harvester ist dabei auf eine Vibrationsfrequenz eingestellt; verändert diese sich, kann keine Energie mehr geerntet werden. Darum muss das System adaptiert werden.

Zielsetzung

Die Forschungsarbeit des ZET bezieht sich auf Grundlagen zur Nutzbarmachung von Gebäudevibrationen. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Selbstadaptivität des Harvesters. Die große Herausforderung dabei ist es, die regelmäßige Selbstanpassung so zu gestalten, dass der Aufwand für ihren Betrieb den durch sie erreichten energetischen Nutzen nicht übersteigt.

 

 

 

Bei einer Vibration schwingen die hier zu sehenden Magnete um die Kupferspule in der Mitte und erzeugen so eine Induktionsspannung. Damit werden autarke Funksensorknoten gespeist.

 

 

Promovend

Pascal Diwisch, M.Sc.

Betreuer

Prof. Dr.-Ing. Frank Rieg, Universität Bayreuth

 

Problemstellung

Die gesetzliche Vorgabe, CO2-Emissionen zu reduzieren und somit dem Klimawandel entgegenzuwirken, bedingt den Ausbau regenerativer Energien. Diese sind aber oftmals von Wetterbedingungen abhängig. Eine Alternative hierzu bietet die Energieerzeugung aus Biogas. Wird dieses in gasbetriebenen Motoren eingesetzt, kann aufgrund besserer Abgaswerte und höherer Wirkungsgrade ein wertvoller Beitrag zur nachhaltigen Energiebereitstellung geleistet werden. Die Leistungsreduzierung infolge nicht aufbereiteter Biokraftstoffe muss der Motor, bei gleichbleibender Baugröße, Gewicht und Emissionswerten, kompensieren.

Zielsetzung

Ziel ist es, ein kompaktes Motorkonzept auf Basis des Zweitakt-Doppelkolbenmotors zu entwickeln, welches besonders für den Gasbetrieb geeignet ist. Darüber hinaus kann der Energiebedarf während der Fertigung wie auch die Fertigungskosten aufgrund der geringeren Baugröße und notwendigen Bauteile bei gleichzeitig höherer Leistungsdichte, gesenkt werden.

 

 

 

 

Prototyp des Zweitakt-Doppelkolbenmotors am Prüfstand

Promovend

Georg Tauer, M.Sc.

Betreuer

Prof. Dr.-Ing Andreas Jess, Universität Bayreuth

 

Problemstellung

Bei energieautarken Gebäuden, bzw. energieautarken Kommunen stellt sich  nicht nur die Frage der Energieerzeugung, sondern ebenfalls der effektiven Nutzung und Speicherung. Mithilfe der Power-to-Gas Technologie lässt sich mit Überschussstrom Wasserstoff erzeugen, der anschließend mit CO2, beispielsweise aus Biogas, katalytisch zu Methan umgesetzt werden kann. Methan als Energieträger besitzt den Vorteil, dass es einfach transportiert werden kann und viele Anwendungsmöglichkeiten besitzt. Somit ließe sich Überschussstrom chemisch speichern und Biogas veredeln, um es ins Erdgasnetz einzuspeisen. Da die Wasserstofferzeugung an die Stromproduktion gekoppelt ist, muss der Reaktor dynamisch betrieben werden. Um einen hohen Umsatz und einen sicheren Reaktorbetrieb der stark exothermen Reaktion (-165 kJ/mol) zu gewährleisten, ist ein mathematisches Modell nötig.

Zielsetzung

In der Arbeit soll ein mathematisches Reaktormodell für die Methanisierung von Biogas unter instationären Bedingungen entwickelt werden, das sowohl den Umsatz als auch das Temperaturprofil im Reaktor zuverlässig voraussagt. Das Modell soll an einem wandgekühlten Einzelrohrreaktor mit 1 m Länge verifiziert werden.

 

Promovendin

Stefanie Paulini, M.Sc

Betreuer

Prof. Dr.-Ing. Tobias Plessing, Hochschule Hof 

Prof. Dr.-Ing. Dieter Brüggemann, Universität Bayreuth

 

Problemstellung

Um zukünftig energieautarke Gebäude mit Strom und Wärme aus regenerativen Energiequellen zu versorgen, sollen Wärmepumpen mit solarem Eisspeichersystem und Photovoltaik zum Einsatz kommen. Bei diesem Heizungssystem stellen die Solarabsorber und der Eisspeicher die Primärquelle der Wärmepumpe dar. Im Bereich des Wärmeeintrags über das Dach und des Eisspeichers hat das System noch Defizite. Insbesondere die Strömungsverhältnisse im Eisspeicher und der Phasenübergang von Wasser zu Eis bedürfen genauerer Untersuchungen, um die Effizienz des Gesamtsystems weiter zu verbessern.

Zielsetzung

Durch die Simulation von Strömungsverhältnissen und Eisaufbau und die Validierung der Simulationsergebnisse an einem Modelleisspeicher soll der Phasenübergang und die Effizienz des Eisspeichers optimiert werden. Hierbei soll unter anderem die Geometrie des Wärmeübertragers im Eisspeicher variiert werden.

 

 

Modellprüfstand mit 8 kW Wärmepumpe (rechts), Eisspeichermodell Halbkugel (links) und Regenerationswärmespeicher mit Heizstab (Mitte)

 

 

Promovend

Sebastian Kuboth, M. Sc.

Betreuer

Professor Dr.-Ing. Dieter Brüggemann, Universität Bayreuth

 

Aufgrund des stetigen Ausbaus der erneuerbaren Energien kommt es vermehrt zu hohen Netzauslastungen und negativen Strompreisen am Energiemarkt. Dies stellt sowohl die Betreiber konventioneller Kraftwerke bzw. den Netzbetreiber als auch die Volkswirtschaft im Allgemeinen vor neue Herausforderungen. Um diese zu bewältigen gibt es in der aktuellen Forschung verschiedene Ansätze, wie die Speicherung elektrischer Energie in Batterien oder anderen Anlagen, der Erzeugung von Gas (Power-to-Gas) oder Nutzwärme (Power-to-Heat). Während die Erzeugung von Gas und die Speicherung in Batterien bzw. Pump- oder Druckluftspeicherwerken meist mit hohen Investitionen verbunden ist, kann die Umwandlung in Nutzwärme mit einfachen Mitteln umgesetzt werden.

Elektrische Überschussenergie kann mit Hilfe elektrisch angetriebener Wärmepumpen, die u.a. in Einfamiliengebäuden zur Gebäudeheizung eingesetzt werden, effektiv in Nutzwärme umgewandelt werden. Um die Gebäudeheizungen großflächig zur Umwandlung elektrischer Überschussenergie nutzen zu können, ist die Akzeptanz der Nutzer von großer Bedeutung. Der Komfort der Bewohner steht daher einer zur Überhitzung des Gebäudes führenden möglichst hohen Umwandlungsrate gegenüber. Abhilfe bieten thermische Speicher, die ggf. bereits in Form von Heizungspufferspeichern oder Trinkwasserspeichern zur Verfügung stehen. Diese können die erzeugte Wärme aufnehmen und je nach Bedarf der Bewohner zeitlich versetzt wieder abgeben. Dabei soll auch der Photovoltaik Eigenverbrauch und der Autarkiegrad der untersuchten Gebäude erhöht werden.

Da die Kapazität konventioneller thermischer Speicher begrenzt ist und die Leistungszahl von Wärmepumpen bei Erhöhung der Senkentemperatur abnimmt, werden am Lehrstuhl für Technische Thermodynamik und Transportprozesse (LTTT) verschiedene Untersuchungen zur Erhöhung des Speicherpotentials durchgeführt. Die Anlagensteuerung muss dabei die Umwandlung von Überschussenergie, die Systemarbeitszahl sowie die Behaglichkeit der Bewohner berücksichtigen. Für diese Untersuchungen werden am LTTT Laboranlagen mit Luft/Wasser-Wärmepumpen und ein in MATLAB® Simulink® entwickeltes Simulationsmodell verwendet.

 

 

 

 

 

Wärmepumpe der Versuchsanlage am LTTT der Universität Bayreuth

Promovend: Ulrich Schadeck, M.Sc.

Betreuer: Prof. Dr.-Ing. Ralf Moos, Universität Bayreuth

 

Problemstellung

Separatoren für Lithium-Ionen-Batterien mit flüssigen Elektrolyten bestehen grundsätzlich aus zwei Elektroden und einem elektrolytgetränkten Separator, wobei letzterer nach heutigem Stand der Technik üblicherweise aus polymerbasierten Membranen besteht. Diese Separatoren sind bedingt hochtemperaturstabil und sind passive Batterie-Komponenten mit keinerlei elektrochemischen Beitrag zu den Zellreaktionen.

Zielsetzung

Im Rahmen der Arbeit wird ein glasbasierter Separator entwickelt, wobei dieser aus einem Komposit eines Glasfaser-Basisvlieses mit integrierten Mikrometer-Glasflakes besteht. Der Separator soll über einen weiten Temperaturbereich dimensionsstabil sein und zudem über eine gewisse Flexibilität verfügen. Weiterhin soll über eine Anpassung der Glaszusammensetzung eine gewisse elektrochemische Aktivität generiert werden, wobei spezifische Parameter der Batterie wie etwa die Zyklenstabilität oder die Schnellladefähigkeit verbessert werden sollen.

 

Beispiel für einen Glas-Separator

Promovend: Sebastian Günther 

Betreuer: Prof. Dr. Thorsten Staake, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Problemstellung

Durch die vorschreitende Digitalisierung gerade im Energiebereich werden immer mehr Verbrauchsdaten und Verhaltensdaten aufgezeichnet, die als Grundlage für neue, digitale Dienstleistungen dienen. Eine wichtige Gruppe solcher Dienstleistungen sind automatisierte Energieberatungen und hochspezifischen Rückmeldungen zu individuellen Verbräuchen, auch Feedback-Interventionen genannt. Obwohl Feedback durch die wachsende Marktdurchdringung von smarten Gegenständen (Intelligente Stromzähler, Smart Watches, etc.) zunehmend Anwendung findet, ist bisher noch unklar, inwieweit sich z. B. verschiedene Rückmeldungstypen (abstraktes vs. konkretes Feedback) oder Rückmeldungsarten (Rückmeldung auf Anfrage des Nutzers vs. sofortiges, aufdringliches Feedback) auf das Verhalten auswirken. Eine Bewertung solcher Aspekte ist aber hochrelevant, da unbedachte Design-Entscheidungen regelmäßig dazu führen, dass Feedback wirkungslos wird oder sogar einen Mehrverbrauch an Ressourcen anstößt. Andererseits stellen wohlgestaltete digitale Verhaltensinterventionen ein kostengünstiges Mittel dar, um großflächig Energiesparziele zu erreichen zu einer gelungenen Kundeninteraktion beizutragen.

Zielsetzung

Ziel des Promotionsvorhabens ist die Weiterentwicklung des Verständnisses von (digitalen) Verhaltensinterventionen, die Individuen unterstützen bzw. motivieren sollen, Energie im Alltag bewusst und effizient einzusetzen. Dies geschieht primär mittels Feedback-Interventionen, die es ermöglichen, die eigenen Tätigkeiten oder Gewohnheiten bereits während des Handelns oder im direkten Anschluss an eine Aktion zu bewerten und ggf. anzupassen. Hierzu werden mehrere randomisiert kontrollierte Feldstudien zu verschiedenen praxisrelevanten Fragestellungen durchgeführt, bei denen zusätzlich die Eigenschaften der Studienteilnehmer (Soziodemographika, Einstellungen, finanzielle Situation, etc.) in Begleitumfragen erhoben werden. Aus den Verbrauchsdaten lassen sich dann einerseits generelle Aussagen über die Wirkung der zugrundeliegenden Verhaltensintervention treffen, andererseits ermöglichen die Umfragedaten ein tiefergreifendes Verständnis darüber, inwieweit die verschiedenen Hintergründe der Studienteilnehmer (z. B. Umwelteinstellung, finanzielle Situation) einen Einfluss auf die Wirkung der Verhaltensintervention haben. Aus den Ergebnissen der Studien werden schlussendlich Gestaltungsempfehlungen sowohl für verhaltensorientierte Energieeffizienzkampagnen als auch für Systementwickler von Informationssystemen abgeleitet.

Beispielhafte Feedback-Intervention: Verbrauchsanzeige in der Dusche, die durch Beeinflussung des Nutzerverhaltens durchschnittlich 22% an Wasser- und Energieeinsparung bewirkt (Einsparungen pro Dusche Ø 0,6 kWh sowie 9,9 Liter Wasser).

Promovend: Jürgen Wenig

Betreuer: Prof. Dr. Thorsten Staake, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Problemstellung

Elektrofahrzeuge (EVs) und Plug-in-Hybridfahrzeuge (PHEVs) stellen erhebliche Anforderungen an das Stromnetz. Um die räumliche und zeitliche Netzbelastung sowie die Anforderungen an die Fahrzeugbatterien und die Eignung der Fahrzeuge für unterschiedliche Nutzersegmente zu verstehen, bedarf es einer genauen Analyse des Mobilitätsverhaltens der Nutzer. Simulationsmodelle, die unterschiedliche Fahrersegmente differenziert betrachten, innerhalb eines Modelles vergleichbar machen und unterschiedliche Ladeinfrastruktur- und Batteriekonfigurationen vergleichend gegenüberstellen, liegen jedoch bisher nicht vor.

Zielsetzung

Ziel dieses Projektes ist es, basierend auf GPS-Daten von 1.000 Fahrzeugen und einem für diesen Fall entwickelten Simulationsmodell präzise abzuschätzen, wo, wann, und wie viel elektrische Energie Fahrzeuge aus dem Stromnetz entnehmen, welchen Einfluss unterschiedliche Ladeinfrastruktur-Konfigurationen spielen, welcher Anteil der Fahrziele elektrisch erreicht werden kann, wie sich die Aussagen zwischen unterschiedlichen Fahrersegmenten unterscheiden, und welchen Beitrag dezentrale Erzeugung zur Elektromobilität leisten kann. Weitere Ergebnisse zielen auf die Beantwortung der Frage, inwiefern Lastverschiebestrategien beim Aufladen von PHEVs dabei helfen, Lastspitzen abzumildern.

 

 

Vorgehensweise zur GPS-datenbasierten Simulation von Elektromobilitätsszenarien

Promovend: Daniel Roßner 

Betreuer: Prof. Dr. Claus Atzenbeck (Hochschule Hof)

Prof. Dr. Tom Gross (Uni Bamberg)

Problemstellung

Sowohl Experten als auch Laien beschäftigen sich mittlerweile mit energieautarken Gebäuden. Ein Problem, mit dem sie sich konfrontiert sehen, ist die dazu existierende Informationsfülle. Die Themenbereiche reichen von neuen Materialien über Gesetze und Fördermaßnahmen bis hin zu Erfahrungsberichten von Hausherren. Menschen verarbeiten solche Informationen hauptsächlich assoziativ, stellen also Verbindungen zu anderen, unter Umständen bereits bekannten, Informationen her. Das Mittel der Wahl ist dafür in der Regel ein Stück Papier und Stift – damit verliert der Nutzer aber etliche Vorteile, die ihm ein digitales System bieten würde.

Zielsetzung

Dem kann ein Informationssystem entgegenwirken, das (i) dem Benutzer relevante Informationen anzeigt, ohne dass dieser danach explizit sucht, (ii) Informationen einfach, intuitiv und ohne Formalismen strukturieren lässt und (iii) vom Benutzer erzeugte Assoziationen und neues Wissen direkt oder indirekt auch anderen Benutzer zugänglich macht, so dass diese davon profitieren können. Das angedachte Informationssystem nutzt eine räumliche Umgebung zur Visualisierung. Eine wesentliche Fragestellung ist daher die bedeutungsvolle Positionierung von maschinell erstellten Vorschlägen in diesem Raum.

 

Vereinfachte Prinzipskizze des zu entwickelnden visuellen Informationssystems zu energieautarken Gebäuden 


Promovendin: 
Stanislava Mlinar 

Betreuerin: Prof. Dr. Ruth Freitag, Universität Bayreuth

Problemstellung

Das Projekt beschäftigt sich mit dem Einfluss der Fermentergröße auf die Prozessstabilität und Effektivität. Es gibt viele Ergebnisse im Bereich der anaeroben Vergärung, jedoch ist die Frage, ab welcher Fermentergröße die Ergebnisse für den Industriemaßstab relevant sind. Die Frage ist auch, wie sich die mikrobielle Gemeinschaft in Schlämmen über die Zeit in verschiedenen Volumina verändert, und ob die Mikroorganismen bei einer Hemmung mehr stabil in größeren Reaktoren sind.

Zielsetzung

Das Ziel des Promotionsthemas ist es, die für die Skalierung relevanten Parameter (sowohl chemische und physische, als auch biologische) zu identifizieren. Hiermit sollte auch die Medium-Inhomogenität berücksichtigt werden. Der Prozess der anaeroben Vergärung wird im Labor-, als auch im Technikums-Maßstab ausgeführt (Fed-Batch und im kontinuierlichen Betrieb). Technische und physico-chemische Parameter aus verschiedenen Kläranlagen und Biogasanlagen werden gesammelt, die mikrobielle Gemeinschaft analysiert und weiter mit den im Labor erzielten Ergebnissen verglichen. Die Populationsanalysen sollten Informationen über den Skala-Einfluss auf die Prozessstabilität geben. Auf der anderen Seite sollten die Biogaszusammensetzung, Biogasproduktionsrate und die chemische Zusammensetzung des Schlammes auf verschiedenen Skalen ein tieferes Verständnis über die Prozesseffektivität bereitstellen. 


Laufende Promotionen (assoziierte Projekte)

Promovendin: Panagiota Garbis             

Betreuer: Prof. Dr.-Ing Andreas Jess, Universität Bayreuth

Zielstellung 

Anlässlich der Energiekonzepte werden neue Ziele gesetzt, um den Anteil der erneuerbarer Energien zu steigern. In den zukünftigen Energieversogungsystemen nimmt Wasserstoff eine zentrale Position als Kraftstoff im Transport als auch im stationären Einsatz in Wohnhäusern im Zusammenhang mit Brennstoffzellen ein. Der stationäre Einsatz einer Polymerelektrolytbrennstoffzelle (engl. Polymer Electrolyte Fuel Cell, PEFC) in Häusern kann zur Strom- und Wärmeversorgung eines Hauses dienen. Auf Grund des Erdgas Versorgungsystems, ist Erdgas die erste Wahl zur Produktion von Wasserstoff durch Dampfreformierung für den Betrieb einer Brennstoffzelle. Dabei entsteht aber unter anderen ein kleiner Anteil an Kohlenmonoxid. Das entstehende Kohlenstoffmonoxid ist wiederum ein Katalysatorgift und deaktiviert die Brennstoffzelle. Um die CO-Belastung der Brennstoffzelle zu minimieren und die Haltbarkeit zu verlängern, soll das Kohlenmonoxid an einem hochselektiven Rutheniumkatalysator wieder zu Methan umgesetzt werden. Das im Einsatzgas enthaltene und dem CO chemisch ähnliche CO2 soll hingegen nur im geringen Maß zu Methan umgesetzt werden, um eine hohe Wasserstoffausbeute zu gewährleisten.

Innerhalb der Promotion werden verschiedene Katalysatoren für diese Umsetzung synthetisiert und getestet. Zudem wird ein technischer Reaktor mit optimalen Betriebsbedingungen ausgelegt. Somit ergibt sich ein hochselektiver CO-Aufreinigungsschritt für die Bereitstellung von hochreinem Wasserstoff aus Methan im kleinen Maßstab.

Promovend: Andy Gradel

Betreuer: Prof. Dr.-Ing. Andreas Jess, Universität Bayreuth

Prof. Dr.-Ing Tobias Plessing, Hochschule Hof

 

Problemstellung

Aufgrund der zunehmenden Knappheit fossiler Brennstoffe ist der Ausbau autarker Versorgungsnetze für Gebäude und Kommunen aus erneuerbaren Energiequellen eine der wichtigsten Aufgaben des 21. Jahrhunderts. Eine flexible Lösung bietet hierbei die Vergasung der Reststoffe zu einem brennbaren Produktgas durch Teiloxidation des Feedstocks. Während der pyrolytischen Zersetzung entstehen dabei sogenannte Teere, die das Produktgas verunreinigen. Eine zu hohe Belastung mit derartigen Stoffen verschmutzt und beschädigt nachfolgende Prozesskomponenten, weshalb eine aufwendige Gasreinigung unumgänglich und den Prozess bis heute für viele Einsatzsstoffe unwirtschaftlich macht. 

Zielsetzung

Eine neuartige Technologie, entwickelt mit dem Industriepartner WS Wärmeprozesstechnik GmbH, soll die Teerbelastung im Produktgas durch die Adsorption an prozessinterne Stoffe deutlich reduzieren. Der Nutzungsgrad des vorhandenen Potentials biogener Abfallstoffe könnte dann mit kostengünstigen, dezentralen Kleinanlagen deutlich erhöht werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Versuchsreaktor bei der ersten Inbetriebnahme

 

 


Promovend
: Marco Griesbach, M.Sc.  

Betreuer: Prof. Dr.-Ing. Dieter Brüggemann, Universität Bayreuth

Problemstellung

Um die allgemein bekannten Klimaziele zu erreichen, werden energieautarke Gebäude vor allem in öffentlichen Bereichen gefordert. Neben einem hohen Strom- und Wärmebedarf können bestimmte öffentliche Gebäude wie Krankenhäuser oder Forschungsinstitute zudem einen hohen Kältebedarf aufweisen. Um das Gesamtsystem effizient zu versorgen, erscheint eine Kombination der Erzeugerbereiche als vielversprechende Lösung.

Eine besonders innovative Schnittstelle zur kombinierten Wärme- und Kältebereitstellung wird dabei Eis-Energiespeichern zugesprochen. Dabei entzieht eine Wärmepumpe dem im Speicher vorhandenen Wasser die latente Wärme beim Erstarrungsvorgang und hebt diese auf ein nutzbares Temperaturniveau an. Durch das Kaltwasser, welches zur Gebäude- und Prozesskühlung benötigt wird, kann das Eis im Speicher regeneriert werden, wodurch sich der Versorgungskreis schließt.

Zielsetzung

Um komplexe Verbundsysteme effizient realisieren und betreiben zu können, werden Simulationen in MATLAB® Simulink® ausgeführt. Durch verschiedene Untersuchungen sollen Handlungsempfehlungen identifiziert werden, durch welche zukunftsweisende Konzepte zur Wärme- und Kältebereitstellung erarbeitet und optimiert werden. Dabei sollen sowohl verschiedene Betriebsstrategien als auch unterschiedliche Speicher- und Anlagen-dimensionierungen analysiert werden.

 

Modell des TAO-Gebäudes der Universität Bayreuth, in dem ein Eis-Energiespeicher in Kombination mit einer Wärmepumpe zu einer effizienten Energieversorgung beiträgt.

Promovendin: Laura Schwinger, M. Sc.

Betreuer: Prof. Dr.-Ing. Volker Altstädt / Prof. Dr.-Ing. Thorsten Gerdes, Universität Bayreuth

Problemstellung

Befestigungssysteme für Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) werden nach aktuellem Stand der Technik unter anderem aus Polypropylen (PP) hergestellt. Da PP (0,22 W/mK) im Vergleich zum isolierenden Dämmputz (0,035 W/mK) eine höhere Wärmeleitfähigkeit (WLF) aufweist, stellt es eine Wärmebrücke im WDVS dar. Verfärbungen durch Veralgung und Schimmelbildung sind sichtbare Folgen.

Zielsetzung

Wärmebrücken sollen verringert werden, indem die Wärmeleitfähigkeit (WLF) des Befestigungssystems an das Dämmmaterial angepasst wird. Um dies zu erreichen, kommen Mikrohohlglaskugeln (MHGK) als anorganischer Füllstoff mit geringer WLF (0.12 – 0.14 W/mK) für die PP-Matrix zum Einsatz. Aufgrund einer fehlenden Anbindung des Füllstoffes an die Matrix und somit auftretenden Fehlstellen im Polymersystem, sinkt allerdings die Festigkeit der Bauteile mit zunehmendem Füllstoffgehalt. Dem soll durch eine angepasste Modifikation des Füllstoffes (Silanisierung mit Aminosilan) und der Matrix (Einsatz eines Haftvermittlers) entgegengewirkt werden. 

Unmodifizierte (oben) und modifizierte (unten) MHGK in einer PP-Matrix. Durch die Modifizierung kann eine stabile Anbindung der MHGK an die PP-Matrix erzielt werden.


Abgeschlossene Promotionen

Promovend

Nicolas Weithmann

Betreuer

Prof. Dr. Ruth Freitag, Universität Bayreuth

 

Problemstellung

Das Projekt beschäftigt sich mit dem Eintrag von Störstoffen, die über komplexe Substrate und Gärhilfsmittel in Biogasanlagen gelangen und dort auf eine hochaktive mikrobielle Gemeinschaft treffen. Im Besonderen Arsen, Antimon und Bismut werden durch die Mikroben methyliert und volatilisiert. Hierdurch entstehen zum einen geno- und zytotoxische Verbindungen die zu einer Hemmung der Mikrobiologie führen, zum anderen werden Methylgruppen dem Methanbildungsprozess entzogen.

Zielsetzung

Es sollen toxische Verbindungen identifiziert, Schadkonzentrationen bestimmt und direkte Auswirkungen auf die Mikrobiologie und die damit verbundene Gasausbeute nachgewiesen werden. Hierdurch soll in Energieautarken Kommunen eine zuverlässige Biogasversorgung zum Ausgleich der Fluktuation, aber auch als Grundlage für Power-to-Gas Applikationen, geschaffen werden.

Promovend: Dr.-Ing. Patrick Kaiser 

Betreuer: Prof. Dr. Ruth Freitag, Universität Bayreuth

Titel des Projekts: Einsatz bioelektrochemischer Methoden in der dezentralen Energieversorgung

Problemstellung:

Mit einer mikrobiellen Brennstoffzelle kann elektrischer Strom erzeugt werden, indem eine mikrobiell katalysierte Freisetzung von Elektronen auf der Anodenseite und anschließender Elektronenaufnahme an der Kathode stattfindet. Es kommen hauptsächlich Mikroorganismen aus der Umwelt zum Einsatz, die in Form eines Biofilms auf der Anode angesiedelt werden. Der Biofilm baut sich stetig auf und ab, was wiederum die Leistung der Brennstoffzelle verschlechtert.

Zielsetzung:

Es wurde ein künstlicher Biofilm entwickelt, der aus ausgewählten elektrogenen Mikroorganismen bestand und zu einer gleichmäßigen Leistung der Brennstoffzelle führte. Die Forschungsarbeiten wurden im Rahmen des Projektverbunds „Ressourcenschonende Biotechnologie für Bayern – BayBiotech“ zwischen 2015-2018 durchgeführt, welcher vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz finanziert wurde.

 

Links, Schema einer Mikrobiellen Brennstoffzelle zur Herstellung elektrischer Energie und Wasser; rechts, Aufbau einer Brennstoffzelle am Lehrstuhl Bioprozesstechnik


Ansprechpartner

Dr.-Ing. Florian Heberle

0921 55-7285
Florian.Heberle@uni-bayreuth.de